Finnland

Suomi

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Fịnn|land; -s:
Staat in Nordeuropa.

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Fịnnland,
 
 
 
Fläche: 338 145 km2
 
Einwohner: (1999) 5,2 Mio.
 
Hauptstadt: Helsinki
 
Amtssprachen: Finnisch, Schwedisch
 
 
Währung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cents
 
Zeitzone: 1300 Helsinki = 1200 MEZ
 
finnisch Sụomi, schwedisch Fịnland, amtlich Sụomen Tạsavalta, Rẹpubliken Fịnland, Staat in Nordeuropa, liegt zu etwa einem Drittel nördlich des Polarkreises (Lappland), grenzt im Nordwesten an Schweden, im Norden an Norwegen (Finnmark), im Osten an Russland, im Süden (Finnisch Meerbusen) und Westen (Bottnischer Meerbusen) an die Ostsee; zu Finnland gehören die 40 km vor der schwedischen Küste in der Ostsee gelegenen Ålandinseln (eine finnische Provinz mit weitgehender Autonomie); Gesamtfläche 338 145 km2, davon fast 10 % (33 522 km2) Binnenseen. Finnland hat (1999) 5,165 Mio. Einwohner; Hauptstadt ist Helsinki, Amtssprachen sind Finnisch und Schwedisch. Währung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cents. Zeitzone: Osteuropische Zeit (1300 Helsinki = 1200 MEZ).
 
 Staat und Recht:
 
 
Die am 4. 6.1999 beschlossene und am 1. 3. 2000 in Kraft gesetzte Verfassung bestimmt Finnland als parlamentarische Republik. Staatsoberhaupt ist der auf sechs Jahre direkt gewählte Präsident (einmalige Wiederwahl möglich). Erreicht im ersten Wahlgang keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit, kommt es im zweiten Wahlgang zur Stichwahl zwischen den beiden Bestplatzierten. Gegenüber der Verfassung von 1919 (revidiert 1991) begrenzt die neue Verfassung die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Amtsperioden und schränkt seine früher umfassenden Befugnisse (v. a. die Richtlinienkompetenz in der Außenpolitik) zugunsten von Parlament und Regierung ein. Der Präsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, ernennt die Richter des Obersten Gerichtshofes und übt das Begnadigungsrecht aus. Träger der Legislative ist der Reichstag (Eduskunta beziehungsweise Riksdag), ein Einkammerparlament, dessen 200 Abgeordnete für vier Jahre nach dem Verhältniswahlrecht gewählt werden. Aktives und passives Wahlrecht beginnen mit dem 18. Lebensjahr. Die vom Parlament verabschiedeten Gesetze sind dem Präsidenten zuzuleiten, der sie mit seiner Unterschrift in Kraft setzt. Die Exekutive liegt bei der Regierung (Staatsrat) unter Vorsitz des vom Parlament gewählten Ministerpräsidenten; die Minister werden vom Präsident in Übereinstimmung mit dem Ministerpräsidentenäs ernannt. Ein vom Parlament gewählter Ombudsmann und der vom Präsident ernannte Justizkanzler wachen über die Einhaltung der Gesetze durch die Behörden.
 
Parteien:
 
Finnland verfügt traditionell über ein Vielparteiensystem. Auf der linken Seite des Parteienspektrums stehen v. a. die Sozialdemokratische Partei (SDP; gegründet 1899) und der Linksbund (VAS; gegründet 1990). Die 1906 als Agrarunion konstituierte Zentrumspartei (Kesk) entwickelte sich zu einer Partei der Mitte, die nicht mehr nur bäuerliche, sondern auch städtisch-bürgerlichen Interessen vertritt. Die Nationale Sammlungspartei (KOK; gegründet 1918) ist eine gemäßigt konservative Partei, die für freies Unternehmertum und Privatinitiative eintritt. Die Schwedische Volkspartei (SFP/RKP; gegründet 1906) vertritt traditionell die Interessen der schwedischen Minderheit in Finnland. Weitere einflussreiche Bewegungen und Parteien sind die Grünen, die Christliche Union (SKL; gegründet 1958), die Finnische Landvolkpartei (SMP; 1959 von der Zentrumspartei abgespalten) und die liberale Jungfinnenpartei.
 
 
Wichtige Gewerkschaftsverbände sind die aus 25 Einzelgewerkschaften bestehende Zentralorganisation der finnischen Gewerkschaften (SAK), der Zentralverband der Vereinigungen für akademische Berufe (AKAVA) und der Zentralverband der Gewerkschaften der technischen Angestellten (STTK).
 
 
Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Wappen geht zurück auf eine Vorlage am Grabmal König Gustavs I. Wasa von Schweden im Dom von Uppsala. Es zeigt in rotem, mit neun silbernen Rosen (Symbol für die traditionellen finnischen Provinzen) bestreutem Feld einen Löwen (wohl aus dem Löwenwappen der schwedischen Folkungerdynastie), der mit den Hinterbeinen ein russisch-orientalisches Krummschwert niedertritt und mit der rechten Vorderpranke (dargestellt als geharnischter Menschenarm) ein »europäisches« Schwert hält.
 
Nationalfeiertage:
 
Der 6. 12. erinnert an die Proklamation der Unabhängigkeit 1917.
 
 
Finnland ist in 5 Provinzen (Lääni, schwedisch Län) gegliedert, denen jeweils ein vom Präsident ernannter Landeshauptmann (Maaherra, schwedisch Landshövding) vorsteht. Unterhalb der Provinz-Ebene bestehen 19 Regionen mit je einem Regionalrat an der Spitze. Von den 452 Bezirken mit Selbstverwaltungs- und Steuererhebungsrechten sind 67 städtisch, 70 halbstädtisch und 315 ländlich eingestuft. Die autonomen schwedischsprachigen Ålandinseln haben einen eigenen Landtag (Landsting) und als Exekutive einen Landschaftsrat, dessen Vorsitzender (Landshövding) dem Landeshauptmann der übrigen Provinzen entspricht.
 
 
Das finnische Rechtssystem ist nach schwedischem Vorbild aufgebaut. Oberste Gerichte sind der Oberste Gerichtshof und der Oberste Verwaltungsgerichtshof in Helsinki; beide sind jeweils mit einem vom Präsidenten der Republik ernannten Gerichtspräsidenten und 21 weiteren Richtern besetzt. Auf der unteren Stufe bestehen Berufungsgerichte in Turku, Vaasa, Kuopio, Helsinki, Kouvola und Rovaniemi. Unterste Instanzen bilden die mit einem Richter und 5-7 Schöffen besetzten Landbezirksgerichte und die Stadtgerichte, die aus dem Bürgermeister und zwei Beisitzern bestehen. Oberstes Aufsichtsorgan über Behörden ist der Justizkanzler (Oikeuskansleri), dem auch die Überprüfung der Gesetzesvorlagen der Regierung auf ihre Verfassungsmäßigkeit obliegt. Der vom Reichstag ernannte Ombudsmann sorgt für die Gesetzmäßigkeit von Rechtsprechung und Behörden im Verhältnis zum Bürger.
 
 
Die Gesamtstärke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit 8-11 Monate) beträgt 33 000, die des paramilitärischen Grenzschutzes 3 500 Mann. Hauptelement des Heeres (27 000 Soldaten) sind acht Infanteriebrigaden, die im Frieden zu einem Drittel präsent sind. Hinzu kommt eine Panzerbrigade und in Regimentern zusammengefasste Artillerie- und Flugabwehrtruppenteile. Luftwaffe und Marine haben je 3 000 Mann. Die Ausrüstung umfasst im Wesentlichen 230 Kampfpanzer (davon 160 T-72, der Rest T-55), 56 Kampfflugzeuge (15 MiG-21 und 41 J-35 Draken, die jedoch schrittweise durch moderne F-18 ersetzt werden sollen), eine größere Anzahl zum Teil bewaffneter Trainingsflugzeuge, zwei Fregatten sowie 29 Kleine Kampfschiffe. - Das Land, das 1994 der »Partnerschaft für den Frieden« der NATO beitrat und seit 1995 Beobachterstatus bei der Westeuropäischen Union (WEU) hat, verwendet etwa 5 % der Staatsausgaben für die Verteidigung.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
In geologischer, klimatischer und pflanzengeographischer Hinsicht ist Finnland ein Übergangsgebiet vom gebirgigen nördlichen Skandinavien zum osteuropäischen Flachland. Geologisch gehört das Land zum präkambrisch gefalteten, zu Beginn des Paläozoikums gehobenen und abgetragenen Festland Fennoskandia (Baltischer Schild), das aus Graniten, Gneisen, Glimmerschiefern, Quarziten und anderen Tiefengesteinen aufgebaut ist. Während des Pleistozäns unterlag die Landfläche der Überformung durch Gletschermassen, die das ganze Gebiet Finnlands bedeckten, einerseits den Gesteinsuntergrund abhobelten (Rundhöcker) und ausschürften (Seen), andererseits das mitgeführte Gesteinsmaterial in Form von Moränen, verstreut vorkommenden erratischen Blöcken, Osern, Sandern und Tonen ablagerten. Besonders reich an Seen ist der Süden des Landes (Finnische Seenplatte), insgesamt rd. 60 000; die wichtigsten sind Saimaa und Päijänne. Nach Südosten wird die Seenplatte durch den aus zwei und stellenweise aus drei parallelen Rücken gebildeten Endmoränenzug des Salpausselkä begrenzt. Die Kolihöhen im Osten erreichen 347 m über dem Meeresspiegel. Die Küstenebene, besonders im Süden und Südwesten mit zahlreichen vorgelagerten Inseln und Schären (Hauptarchipel sind die Ålandinseln), wird von glazialen und postglazialen Ablagerungen eingenommen. Nach Norden steigt das Gelände vom Flachland zum Hügelland an, Moore und Sümpfe treten auf, die Zahl der Seen nimmt ab. Die höchsten Höhen erreicht das Relief in Lappland im Nordwesten (Haltiatunturi 1 328 m über dem Meeresspiegel, höchster Berg Finnlands) und im Norden des Landes mit seinen eisgeformten Quarzitrücken und in isolierten Bergen (Pyhätunturi 540 m über dem Meeresspiegel). In dieser Region liegt der Inari, der drittgrößte See Finnlands, von dessen Becken der Maanselkä mit Höhen bis 718 m über dem Meeresspiegel in südöstlicher Richtung verläuft und die Wasserscheide zwischen Ostsee und Nordpolarmeer bildet.
 
 
Finnland hat durch den Einfluss des Meeres und des Golfstroms ein verhältnismäßig mildes Klima, durchschnittlich um 6 ºC wärmer als auf gleichen Breiten außerhalb Europas. Mittlere Jahrestemperatur in Helsinki: 5,4 ºC. Wärmster Monat (wärmer als in den südlichen Randgebieten Skandinaviens) ist der Juli mit einem Mittelwert von 14,5 ºC, kältester Monat der Februar mit —9 ºC (Nordfinnland —12 ºC). Die Winter sind durch kontinentale Klimaeinflüsse kalt und schneereich (sichere Schneelagen der Skigebiete Lahti, Puijo, Koli u. a.). Für 5-8 Monate sind die Seen und Küstengebiete zugefroren. Mithilfe von Eisbrechern werden die Häfen von Turku, Hanko und Helsinki offen gehalten. Die lange winterliche Dunkelheit wird durch die Schneedecke und das Auftreten von Polarlichtern nur wenig gemildert, im Sommer ist dagegen die Tagesdauer lang (Südfinnland 19 Stunden, in Nordfinnland bis zu 65 Tage Polartag). - Die Niederschläge schwanken zwischen 700 mm und mehr im Südwesten und unter 400 mm im N.
 
 
Finnland ist das waldreichste Land Europas (über 66 % der Fläche; v. a. Fichte und Kiefer, daneben Weiß-, Moor- und Fjellbirke, Grauerle, Espe u. a.). Wälder und Moore bedecken 74 % der Landfläche. Nadelwälder reichen zwar bis an die Nordgrenze, jedoch sind oberhalb der im Norden bis auf 300 m über dem Meeresspiegel absinkenden Waldgrenze tundrenähnliche Formationen mit arktoalpiner Flora verbreitet.
 
 
Sie besteht zu 94 % aus Finnen, größte Bevölkerungs-Minorität sind die Schweden (u. a. auf den Ålandinseln, in Südwestfinnland und in Österbotten); die samische (lappische) Bevölkerung im nördlichen Finnland wird mit 5 000 bis 7 000 angegeben. Nur noch für einen kleineren Teil der Samen (Lappen) bildet die Rentierhaltung die materielle Basis. Finnland hat eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte (1999) von 15 Einwohner je km2; in Nordfinnland sinkt sie auf 2,0 Einwohner je km2, in Südfinnland steigt sie vielerorts auf über 120 Einwohner je km2. Das Bevölkerungswachstum lag zwischen 1990 und 1998 durchschnittlich bei 0,5 % jährlich. Seit 1981 hat sich der traditionelle Auswandererüberschuss (u. a. nach Schweden) in einen positiven Wanderungssaldo gewandelt. Es gibt eine starke Landflucht, verbunden mit zunehmender Verstädterung und einem allgemeinen Zug nach Süden; in städtischen Siedlungen leben (1998) 64 % der Bevölkerung, allein im Großraum Helsinki etwa 21 %. Die meisten Städte (zum großen Teil kleine Mittelstädte) liegen an der Küste. Das Siedlungsbild des weiten Landes wird von Einzelhöfen und kleinen, dorfartigen Siedlungen bestimmt. - Der weitaus größte Teil der Bevölkerung spricht als erste Sprache Finnisch, das erst seit 1863 neben Schwedisch (1990: 6,0 %) Amtssprache ist; daneben gibt es eine geringe Zahl von Samisch und Russisch sprechenden Finnen.
 
 
Die Verfassung bestimmt den Staat als »konfessionslos«; die Religionsfreiheit ist durch ein eigenes Gesetz garantiert. Rd. 90 % der Bevölkerung sind Christen; davon gehören rd. 88 % der Evangelisch-Lutherischen Kirche und rd. 1,2 % der orthodoxen Kirche an. Die Finnische Evangelisch-Lutherische Kirche (»Suomen Evangelis-Luterilainen Kirkko«) umfasst acht Bistümer. Der Erzbischof von Turku ist Primus inter Pares (der anderen Bischöfe) und leitet die alle fünf Jahre zusammentretende gesetzgebende Kirchenversammlung. - Die Finnische Orthodoxe Kirche, seit der Unabhängigkeit Finnlands selbständig, erlangte 1957 die Anerkennung ihrer Autonomie durch das Moskauer Patriarchat. Sie umfasst drei Eparchien (Bistümer) und wird durch den »Erzbischof von Karelien und ganz Finnland« als Ersthierarchen geleitet. Neben der lutherischen Kirche ist sie die zweite Nationalkirche Finnlands. Etwa 1 % der Bevölkerung gehören verschiedenen protestantischen Kirchen und Gemeinschaften an (Adventisten, Baptisten, Methodisten, Pfingstkirchen u. a.). Die katholische Kirche (Bistum Helsinki) hat rd. 5 800 Mitglieder. Weiterhin bestehen zwei jüdische Gemeinden (Helsinki, Turku) mit etwa 1 000 Mitgliedern Etwa 9 % der Bevölkerung sind konfessionslos.
 
 
Vom 7. bis 16. Lebensjahr besteht allgemeine Schulpflicht; die neunjährige Gesamtschulzeit umfasst eine erste Stufe (sechs Jahre) für alle und eine differenzierte zweite Stufe (drei Jahre) mit berufsvorbereitenden und allgemein bildenden Formen. An diese schließen sich eine dreijährige gymnasiale Oberstufe oder eine bis zu fünf Jahren dauernde Berufsfachschule an. Die Alphabetisierungsquote beträgt 99 %. Finnland verfügt über ein dichtes Netz von Hochschulen (21). Stark ausgebaut ist das Volkshochschulwesen (berufliche Weiterbildung).
 
 
Presse:Es erscheinen 56 Tageszeitungen, davon acht in schwedischer Sprache. Wichtige Blätter in der Hauptstadt sind die landesweit verbreiteten »Helsingin Sanomat« (Auflage 454 000 Exemplare) mit dem Kaufblatt »Ilta-Sanomat« (212 000) sowie »Iltalehti« (122 500), »Maaseudun Tulevaisuus« (92 000) und »Kaleva« (84 000), ferner das schwedischsprachige »Hufvudstadsbladet« (55 000). Verbreitete Provinz-Zeitungen sind »Aamulehti« (135 000) in Tampere und »Turun Sanomat« (115 000) in Turku. - Nachrichtenagentur: Oy Suomen Tietotoimisto-Finska Notisbyrån Ab (Abkürzung SST-FNB), Sitz: Helsinki. - Rundfunk: Die 1926 gegründete, seit 1934 staatliche Hörfunk- und Fernsehgesellschaft »Oy Yleisradio« (YLE), Sitz: Helsinki, unterliegt parlamentarischer Kontrolle. Es werden drei Hörfunkprogramme in finnischer und zwei in schwedischer Sprache sowie ein samischsprachiges Programm und ein Auslandsdienst verbreitet, außerdem zwei landesweite Fernsehprogramme. Die private Fernsehgesellschaft MTV sendet ein eigenes Programm über ein YLE gehörendes Netz; außerdem können Programme aus Schweden empfangen werden. Darüber hinaus gibt es zahlreiche private Lokalradios, Fernsehstationen sowie Kabelfernsehen.
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Finnland zählt mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1994) 18 850 US-$ zu den europäischen Staaten mit sehr hohem materiellem Wohlstand, es liegt aber deutlich hinter den anderen skandinavischen Staaten.
 
Das finnische Wirtschaftssystem ist marktwirtschaftlich orientiert. Eine Verschlechterung der internationalen Wettbewerbsposition brachte Finnland ab 1989 die schlimmste Rezession seit 50 Jahren. Das BIP fiel 1990-93 um 13,5 %. Erst 1994 konnte wieder ein Wachstum (+ 3,9 %) verzeichnet werden, wobei dieser Aufschwung hauptsächlich auf ein hohes Produktivitätswachstum in den exportorientierten Branchen (Metall-, Papier-, Elektroindustrie) beruht. Die Folgen der Rezession: hohe Arbeitslosigkeit (1994: 18,4 %) und hohe Staatsverschuldung (1994: rd. 60 % des BIP). Allerdings konnte Finnland die hohen Inflationsraten der 80er-Jahre auf unter 2 % (1994) drücken. Auch die Leistungsbilanz ist wieder positiv; sie wies 1994 einen Überschuss von 5,6 Mrd. Fmk nach einem Verlust von 4,7 Mrd. Fmk im Vorjahr auf.
 
Finnland ist ein moderner Industriestaat. Von den 1,9 Mio. Erwerbstätigen waren (1993) 8,8 % in Land- und Forstwirtschaft (Bergbau eingeschlossen), 25,5 % im produzierenden Gewerbe, 14,5 % in Handel und Gastgewerbe sowie 51,2 % im übrigen Dienstleistungsbereich tätig.
 
 
Aufgrund der klimatischen Verhältnisse werden nur 7,2 % der Gesamtfläche als Ackerland genutzt (1990: 2,44 Mio. ha). Die fruchtbarsten Gebiete liegen im Süden und Südwesten, d. h. in den marinen Sedimentationsbereichen. Hauptanbauprodukte sind Kartoffeln, Hafer, Gerste und Weizen. In der Viehwirtschaft werden 70 % des Agrareinkommens erzielt, wobei die Milchwirtschaft dominiert; aber auch Rentier- und Pelztierhaltung (Nerze, Blau- und Silberfüchse) sind gerade in der Peripherie von Bedeutung.
 
Im Zeitraum 1984-90 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 2,2 % zurückgegangen, wobei insbesondere Hofstellen bis 20 ha betroffen waren. Im Zuge der EU-Mitgliedschaft seit 1995 steht die finnische Landwirtschaft vor erheblichen Umstrukturierungsmaßnahmen.
 
 
Die gesamte Waldfläche beträgt 23 Mrd. ha (mehr als 66 % der Gesamtfläche); davon werden 21 Mio. ha (0,9 %) für die Holzproduktion zu gewerblichen Zwecken genutzt. Der Holzvorrat liegt bei 1,9 Mrd. m3, wobei in der 2. Hälfte der 80er-Jahre aufgrund intensiver forstwirtschaftlichen Maßnahmen ein durchschnittlicher jährlicher Zuwachs der Waldbestände von 79 Mio. m3 erreicht wurde. Die Holz- und Papierindustrie ist eine der wichtigsten finnischen Exportbranchen. Weltweit ist Finnland nach Kanada der zweitgrößte Papier- und Kartonexporteur.
 
 
In der Fischwirtschaft wurden 1993 152 500 t Fische gefangen; davon 51 % Heringe.
 
 
Wenn auch der Bergbau in den 60er- und 70er-Jahren forciert wurde, so hat Finnland im weltweiten Vergleich nur relativ geringe mineralische Vorkommen; 1991 wurden 11 700 t Kupfererz, 55 500 t Zinkerz und 9 900 t Nickelerz abgebaut. Darüber hinaus gibt es u. a. Vanadiumlagerstätten, titanhaltiges Eisenerz, Silber- und Goldvorkommen sowie Schwefelkies und geringhaltiges Phosphorerz. In den 80er-Jahren wurden zwei große Kaolinvorkommen entdeckt, deren Umfang auf rd. 10 Mio. t Rohkaolin geschätzt wird.
 
 
Finnland hat aufgrund seiner geographischen Lage, seiner Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur einen überdurchschnittlichen Energieverbrauch, nämlich 5,5 toe (Tonnen Erdöläquivalent) pro Kopf jährlich. Da es keine Erdöl-, Erdgas- oder Kohlevorkommen gibt, ist das Land maßgeblich auf Energieimporte angewiesen. Einheimische Energieträger (Wasserkraft, Atomenergie, Holz- und Torfverbrennung) decken nur 31 % der Nachfrage. Die umstrittene Frage nach einem Ausbau der Kernkraftkapazität wurde 1993 durch Parlamentsbeschluss abgelehnt. Wichtigste Öllieferanten waren 1993 Norwegen, Großbritannien und die Russische Föderation. Erdgas wird ausschließlich aus Russland bezogen, Kohle besonders aus Polen. Der Anteil des Erdöls am Gesamtenergieverbrauch betrug 1993 knapp 28 %; es folgten Atomkraft (15,5 %), Wasserkraft (11,1 %), Kohle (10,3 %), Erdgas (8,4 %) und Torf (4,2 %). Das größte finnische Torfkraftwerk bei Jyväskylä produziert 80 MW Elektrizität und 120 MW Fernwärme.
 
 
In der Industrie dominieren die Holzverarbeitung (Sägewerke, Herstellung von Papier, Pappe, Zellstoff, Fertighäusern, Möbeln) und die Metallindustrie (Erzverhüttung und Metallverarbeitung, Maschinen-, Fahrzeug-, Schiffbau, elektrotechnische und elektronische Industrie). Die Holzindustrie (Schwerpunkt Mittelfinnland) mit einer wachsenden Zahl von Endprodukten erbringt knapp 6 %, während der Zellstoff- und Papiersektor mit knapp 13 % zur gesamten Wertschöpfung der Industrie beiträgt. Der Anteil der Holz verarbeitenden Industrie am Gesamtexport betrug 1993 rd. 38 %; er lag damit an 2. Stelle hinter den Produkten der Metall verarbeitenden Industrie. Andere wichtige Industriesektoren sind die chemische Industrie mit Erdölraffinerien (Anteil 10 %), die Nahrungsmittelindustrie (8 %), die Textil- und Lederindustrie (5 %) sowie die Glas- und Keramikindustrie. Finnlands Industrieprodukte werden weltweit geschätzt wegen ihrer Qualität und des Designs, besonders bei Konsum- und Luxusartikeln.
 
 
Im Dienstleistungssektor waren 1993 rd. 66 % aller Erwerbstätigen beschäftigt. Auch der Beitrag dieses Sektors am BIP nimmt kontinuierlich zu, v. a. als Folge der überproportional wachsenden Bereiche Banken, Versicherungen und Kommunikation. Zunehmende Bedeutung gewinnt der Tourismus, 1994 wurden 3,3 Mio. Übernachtungen von Ausländern registriert.
 
 
Die Handelsbilanz entwickelte sich seit Mitte der 80er-Jahre, unterbrochen durch die beiden Rezessionsjahre 1989 und 1990, positiv. 1994 standen Einfuhren im Wert von 121 Mrd. Fmk Ausfuhren von 154 Mrd. Fmk gegenüber. Haupteinfuhrprodukte sind Maschinen und elektrotechnische Erzeugnisse sowie Fahrzeuge (Anteil am Importwert 1991: 34,7 %), mineralische Brennstoffe (13,3 %), bearbeitete Waren (14,8 %) und chemische Erzeugnisse (11,6 %). Die wichtigsten Exportgüter waren 1991 bearbeitete Waren mit 43,7 %, darunter Papier und Pappe mit 26,4 % sowie Eisen und Stahl mit 6,3 %. Maschinenbauerzeugnisse und Fahrzeuge hatten einen Anteil von 27,4 %, Rohstoffe 9,3 %, chemische Erzeugnisse 6,9 % am Export. Wichtigste Importeure finnischer Waren waren 1991 die EG mit 49,6 %, Schweden 13,6 %, die USA 6,1 %, die Russische Föderation 4,8 %. Die bedeutendsten Lieferanten nach Finnland waren wiederum die EG mit 45,5 %, gefolgt von Schweden (12 %), der Russischen Föderation (8,5 %), den USA (6,8 %) und Japan (6 %).
 
Verkehr:
 
Große Entfernungen und das harte Klima haben dem Eisenbahn- und Luftverkehr zu ihrer überragenden Bedeutung verholfen. Das Streckennetz der Eisenbahn belief sich 1994 auf 5 859 km; von diesen waren 1 867 km (31,9 %) elektrifiziert. Das Streckennetz ist in russischer Breitspur (1 524 mm) ausgelegt. Das Straßennetz hat (1995) eine Länge von 79 166 km. Die Pkw-Dichte hat sich von 256 (1980) auf 367 (1994) je 1 000 Einwohner erhöht. Das Binnenschifffahrtsnetz umfasst etwa 6 500 km Wasserstraßen. Eine gewisse Bedeutung besitzt noch die Holzflößerei, für die 9 400 km Wasserwege zur Verfügung stehen. Über den Saimaakanal, der 1983 von der ehemaligen UdSSR an Finnland verpachtet wurde (Verkehr 1994: rd. 1,6 Mio. t), ist ein Teil Südostfinnlands mit Russland verbunden. Wichtige Seehäfen (Gesamtumschlag 1994: 96,6 Mio. t) besitzen Porvoo (Erdölhafen Sköldvik), Helsinki, Kotka, Hamina, Naantali und Rauma. Da sie im Winter zufrieren, sind die meisten Finnland anlaufenden Schiffe mit besonders verstärkten Rümpfen versehen, die dem Eis besser widerstehen können. Außerdem verfügt Finnland über sehr leistungsfähige Eisbrecher. Die finnische Handelsflotte hat sich bezüglich der Tonnage von 1980 (487 Schiffe mit 2,4 Mio. BRT) bis 1993 (493 Schiffe mit 1,4 Mio. BRT) stark reduziert. Zwischen dem südfinn. Hafen Hanko und Lübeck-Travemünde besteht Eisenbahnfährverkehr für Güterwagen, zwischen Helsinki und Travemünde verkehren Auto-Passagier-Fähren, nach der Wende auch zwischen Finnland und Russland sowie den baltischen Staaten. Das finnische Luftfahrtnetz gehört zu den dichtesten in Europa; 21 Flugplätze werden im Linienverkehr angeflogen. Die Finnair O/Y, größte staatliche Luftverkehrsgesellschaft, beförderte zusammen mit der staatlichen Gesellschaft Kar-Air und einigen kleinen Gesellschaften 1991 rd. 4 Mio. Passagiere, davon 45 % im Auslandsverkehr. Wichtigster Flughafen ist Helsinki-Vantaa mit (1995) 7,2 Mio. Fluggästen.
 
 
Zur Vor- und Frühgeschichte Nordeuropa.
 
Teil des schwedischen Reiches:
 
In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten drangen finnische Stämme vom Baltikum und aus dem Osten kommend in das noch weitgehend unerschlossene Gebiet des heutigen Süd- und Mittelfinnland ein (Finnen). Nach ersten Missionierungsversuchen von Schweden aus begann in der Mitte des 12. Jahrhunderts die planmäßige Christianisierung Finnlands durch schwedische Missionare. Gleichzeitig geriet das Land auch politisch unter schwedischer Einfluss. 1249 (nach anderen Angaben 1238/39) erklärte Birger Jarl das heutige Häme zum Teil des schwedischen Reichs. In einem Kreuzzug wandte sich Schweden 1293 gegen die Einflussversuche griechisch-orthodoxer Mönche, die von Nowgorod kommend in Karelien missionierten. Im Frieden von Nöteborg (heute Petrokrepost) wurde 1323 erstmals die finnische Ostgrenze zwischen Schweden und Nowgorod festgelegt. Unter König Gustav I. Wasa förderte M. Agricola mit seiner Bibelübersetzung die Verbreitung des lutherischen Glaubens und trug gleichzeitig zur Ausformung der finnischen Schriftsprache bei. Im 1581 zum Großfürstentum erhobenen Finnland, das de facto jedoch wie eine schwedische Provinz verwaltet wurde, drangen schwedische Kolonisten ständig weiter nach Norden und Osten vor. Das Moskauer Reich erkannte 1595 die entstandene Grenze bis zum Eismeer an und sah sich nach kriegerischen Auseinandersetzungen 1617 gezwungen, Ingermanland und einen Teil Kareliens an Finnland abzutreten. Unter dem schwedischen Generalgouverneur Graf Per Brahe (* 1602, ✝ 1680) erlebte das Land eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit (u. a. Gründung der Universität Turku).
 
Im 2. Nord Krieg war Finnland 1713-21 von Russland besetzt, das sich im Frieden von Nystad 1721 den zu Finnland gehörenden Teil Kareliens mit Wyborg sicherte. Im folgenden schwedisch-russischen Krieg konnte Russland sein Ziel, die Errichtung eines eigenständigen finnischen Staates unter russischer Oberherrschaft, nicht durchsetzen, erhielt allerdings im Frieden von Turku 1743 weitere Teile im Südosten von Finnland (bis zum Kymijoki) zugesprochen. Nach 1743 verstärkte sich der schwedische Druck auf Finnland; zunehmend gewann jedoch auch das Gefühl für die finnische Eigenständigkeit an Boden. Während der schwedisch-russischen Feindseligkeiten 1788-90 zeigten sich im Anjalabund erste nationale Selbstständigkeitsbewegungen, doch blieben diese vorerst auf Offiziers- und kleine Kreise des Adels beschränkt.
 
Autonomes russisches Großfürstentum:
 
Im 1807 in Tilsit abgeschlossenen Bündnis zwischen Zar Alexander I. und Napoleon I. grenzten Russland und Frankreich ihre Interessensphären in Europa ab, wobei Finnland an Russland fiel. Russische Truppen eroberten 1808 das Land. Im Frieden von Fredrikshamn musste Schweden 1809 auf Finnland verzichten. Am 29. 3. 1809 erklärte Alexander I. auf einem Landtag Finnland zu einem autonomen Großfürstentum innerhalb des Russischen Reiches und bestätigte die zugunsten Finnlands erlassenen schwedischen Grundgesetze von 1772 und 1789. Die Regierung wurde unter Mitwirkung des Landtags vom Kaiser eingesetzt. Senatspräsident war der russische Generalgouverneur Ein finnischer Staatssekretär erledigte in Sankt Petersburg die Regierungsgeschäfte Finnlands und hatte Vortragsrecht beim Kaiser. Helsinki wurde 1812 vom Kaiser zur Hauptstadt erhoben.
 
In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts stagnierte infolge der restaurativen Politik Zar Nikolaus' I. die staatliche Entwicklung Finnlands. Zar Alexander II. (1855-81) leitete eine Zeit nationaler Reformen ein, die durch die geistigen Führer der nationalfinn. Bewegung vorbereitet waren, die besonders für das Finnische als Amts-, Schul- und Literatursprache eintraten. Diese sahen mit J. V. Snellman und Y. S. Yrjö-Koskinen an der Spitze ihr Ziel in einem eigenständigen finnischen Nationalstaat, von dem die radikal-finnische Partei der »Fennomanen« - als ihr Exponent galt E. Lönnrot - die in Finnland lebenden Schweden ausgeschlossen sehen wollte. Gegen die nationalistischen Ansichten dieser Gruppe traten die »Svekomanen« auf, die die Meinung vertraten, Schweden und Finnen müssten gemeinsam russischen Übergriffen in Finnland entgegentreten. Das Sprachreskript von 1863 legte die Gleichstellung der finnischen Sprache mit der schwedischen von 1883 an fest. 1865 erhielt Finnland eine eigene Münze, seit 1869 trat der Landtag wieder regelmäßig zusammen, 1878 wurde Finnland mit der Einführung der Wehrpflicht eine eigene Armee zugestanden. Während bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts die schwedischsprachige Oberschicht der Träger der Kultur gewesen war, entwickelte sich jetzt eine finnischsprachige Intelligenzschicht, teils aus den nationalfinnisch gesinnten, bisher schwedischsprachigen, teils aus der finnischen, meist ländlichen Bevölkerung, der durch den Ausbau des Schul- und Hochschulwesens, die Gründung eines finnischen Theaters (1872) u. Ä. der Weg zur geistigen Weiterbildung geöffnet wurde.
 
Unter Alexander III. (1881-94) setzte eine Russifizierungspolitik ein, die im »Februarmanifest« von 1899 gipfelte, das die finnische Autonomie beseitigte. Nach der russischen Revolution von 1905 gestand Nikolaus II. die Autonomie wieder zu. Die Landtagsreform von 1906 führte einen Einkammerlandtag ein mit allgemeinem und gleichem (auch Frauen-)Wahlrecht. Stärkste Partei wurde die nach deutschem Vorbild organisierte Sozialdemokratie. Die nach einigen Jahren erneut einsetzende Russifizierungspolitik erwiderten weite Teile der Bevölkerung mit passivem Widerstand.
 
Souveräner Staat:
 
Nach der russischen Februarrevolution 1917 übernahm der finnischen Landtag die Regierungsgewalt, erklärte am 6. 12. 1917 Finnland für souverän und schloss am 7. 3. 1918 einen Sonderfrieden mit dem Deutschen Reich. Im Januar 1918 begann ein Bürgerkrieg zwischen den bürgerlichen Gruppen Finnlands, den »Weißen«, die von deutschen Truppen (»Ostseedivision«) unter General R. von der Goltz unterstützt wurden, und den Bolschewisten, den »Roten«. Nach dem Sieg der »Weißen« wurde am 12. 12. 1918 deren Befehlshaber, General C. G. Freiherr von Mannerheim, Reichsverweser. Am 17. 7. 1919 trat eine republikanische Verfassung in Kraft, und am 25. 7. 1919 wurde K. J. Ståhlberg zum Staatspräsidenten ernannt (Nachfolger: L. K. Relander, 1925-31). Am 14. 10. 1920 wurde mit dem bolschewistischen Russland der Frieden zu Dorpat geschlossen, in dem Finnland das Petsamogebiet am Eismeer erhielt, aber seine Ansprüche auf Ostkarelien aufgab. Im Dezember 1920 trat Finnland in den Völkerbund ein. 1921 wurden ihm von diesem die Ålandinseln zugesprochen.
 
Führende Partei wurde die Agrarunion. Ministerpräsident K. Kallio setzte 1922 eine Bodenreform durch (»Lex Kallio«). Ein kommunistischer Aufstandsversuch scheiterte 1923. Seit 1929/30 gewann die bäuerlich-nationalistische, antiparlamentarische Lappo-Bewegung Einfluss auf die Gesetzgebung (antikommunistische Gesetze von 1930); ihre Putschversuche schlugen fehl. Danach begann eine Periode wirtschaftlichen Aufschwungs. Staatspräsidenten waren P. E. Svinhufvud (1931-37), Kallio (1937 bis 1940) und R. Ryti (1940-44). Seit 1933 war die Sozialdemokratie stärkste politische Kraft.
 
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Finnland im November 1939 von der UdSSR angegriffen, die die Abtretung strategisch wichtiger Gebiete gefordert hatte. Im Finnisch-Sowjetetischen Winterkrieg suchte sich Finnland zu behaupten, musste aber im Frieden von Moskau (12. 3. 1940 Westkarelien, das Sallagebiet und den finnischen Teil der Fischerhalbinsel abtreten sowie den Stützpunkt Hanko verpachten. 1941 nahm Finnland auf deutscher Seite am Krieg gegen die UdSSR teil (»Fortsetzungskrieg«); im Waffenstillstand von 1944 und im Frieden von Paris (10. 2. 1947 musste es dieselben Gebiete wie 1940 an die UdSSR abtreten; Hanko wurde gegen Porkkala ausgetauscht. 1944-46 war Mannerheim Staatspräsident. Das Land, das unbesetzt blieb, erholte sich unter Staatspräsident J. K. Paasikivi (1946-56) rasch von den Kriegsfolgen (bis 1952 Erfüllung der Reparationsforderungen von 300 Mio. Dollar) und konnte seine Selbständigkeit bewahren. Ins Zentrum der finnischen Außenpolitik rückte die Entwicklung eines gutnachbarlichen, konfliktfreien Verhältnisses zur Sowjetunion, dem ein 1948 mit ihr abgeschlossener »Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand« diente (1955, 1970 und 1983 verlängert, bis 1990 in Kraft). Dieser außenpolitischer Kurs, nach seinen maßgeblichen Vertretern, den Präsidenten Paasikivi und U. K. Kekkonen (1956-81), als »Paasikivi-Kekkonen-Linie« bezeichnet, verband sich mit einem Ausbau der Beziehungen zu den skandinavischen Ländern (1955 Beitritt zum Nord Rat) und zu den westeuropäischen Staaten (1961 assoziiertes Mitglied der EFTA, 1974 In-Kraft-Treten des Handelsvertrages mit der EWG). 1969 ging von Finnland der Vorschlag für die Einberufung einer europäischen Sicherheitskonferenz (KSZE) in Helsinki aus. Amtsnachfolger von Präsident Kekkonen wurde M. Koivisto (1981-82 amtierendes Staatsoberhaupt, nach seiner Wahl 1982-94 Staatspräsident).
 
Neben der Zentrumspartei (bis 1965 Agrarunion) war v. a. die Sozialdemokratische Partei immer wieder an der Regierungsbildung beteiligt (ausgenommen 1962-66). Das ab 1982 regierende Koalitionskabinett unter dem Sozialdemokraten K. Sorsa wurde 1987 durch eine Regierung aus Nationaler Sammlungspartei, Sozialdemokraten, Schwedische Volkspartei und Finnische Landvolkpartei unter H. Holkeri (Nationale Sammlungspartei) abgelöst. Die Zentrumspartei wurde erstmals nach 50 Jahren in die Opposition verwiesen. Aus den Parlamentswahlen 1991 ging sie jedoch als stärkste Partei hervor und bildete zusammen mit den Konservativen, der Schwedischen Volkspartei und der Christlichen Union eine Koalitionsregierung unter Ministerpräsident E. Aho. Anstelle des mit Auflösung der Sowjetunion gegenstandslos gewordenen Freundschafts- und Beistandspakts schlossen Finnland und Russland im Januar 1992 einen neuen Grundlagenvertrag. Am 18. 3. 1992 stellte Finnland einen Antrag auf Aufnahme in die EG. Nach Abschluss der Beitrittsverhandlungen (März 1994) trat Finnland zum 1. 1. 1995 der EU bei.
 
Im Januar/Februar 1994 (zweiter Wahlgang am 6. 2. als Stichwahl) fand die erste Direktwahl des finnischen Staatspräsidenten statt; gewählt wurde der Sozialdemokrat M. O. Ahtisaari (Amtsantritt 1. 3. 1994). Dieser erreichte als EU-Vermittler im Juni 1999 zusammen mit dem russischen Sonderbeauftragten W. S. Tschernomyrdin die Annahme eines Friedensplans der G-8-Staaten durch die Bundesrepublik Jugoslawien zur Beendigung des Kosovokonflikts. Die Reichstagswahlen vom 19. 3. 1995 gewannen die Sozialdemokraten; ihr Vorsitzender Paavo Lipponen wurde am 13. 4. 1995 Ministerpräsident einer breiten Fünfparteienkoalition (»Regenbogenkoalition« aus SDP, KOK, VAS, SFP/RPK und Grünen). Bei den Parlamentswahlen vom 21. 3. 1999 konnten die Sozialdemokraten trotz Stimmverlusten ihre Position als stärkste politische Kraft behaupten; das von Lipponen geführte Fünfparteien-Koalitionskabinett setzte nach einer geringfügigen Regierungsumbildung seine Arbeit fort (Neuvereidigung am 15. 4. 1999). In den Präsidentschaftswahlen 2000 konnte sich die sozialdemokratische Außenministerin Tarja Kaarina Halonen am 6. 2. mit 51,6 % der Stimmen gegenüber E. Aho (Zentrumspartei) durchsetzen; mit Halonen trat am 1. 3. 2000 erstmals in Finnland eine Frau das Amt des Staatsoberhaupts an.
 
 
Suomi. A general handbook on the geography of Finland, hg. v. der Geographical Society of Finland (Helsinki 1952);
 
F., hg. v. W. Nigg u. a. (21973);
 K. H. Stone: Northern Finland's post-war colonizing and emigration (Den Haag 1973);
 E. Jutikkala: Gesch. F.s (a. d. Finn., 21976);
 B. Butzin: Die Entwicklung Finnisch-Lapplands (1977);
 B. Butzin: F.s Bev. im Wandel (1982);
 D. G. Kirby: Finland in the twentieth century (London 1979);
 I. Bátori: Russen u. Finnougrier (1980);
 L. A. Puntila: Polit. Geschichte F.s 1809-1977 (a. d. Finn., Helsinki 1980);
 
Finlandia, bearb. v. P. Huovinen, 9 Bde. (ebd. 1983-87);
 
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 A. Doepfner: F.s Winterkrieg 1939/40 (Zürich 1990);
 
F.-Studien, hg. v. E. Hösch (1990);
 K. Rikkinen: A geography of Finland (Lahti 1992);
 M. Jokipii: F. u. Dtl. im 20. Jh. (Kuopio 1994);
 M. Klinge: Geschichte F.s im Überblick. Dt. Fassung v. J. Holz-Mänttäri (Helsinki 41995);
 G. Maude: Historical dictionary of Finland (Lanham, Md., 1995);
 H. Sobik: F. (1996);
 M. A. Vuollo: Der Wandel der finn. Neutralitätspolitik. Außen-, sicherheits- u. integrationspolit. Tendenzen 1970-1995 (1996);
 
Geographical Survey of Finland, hg. v. S. Autio (Espoo 1997).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Finnland: Weg zur Souveränität
 
Finnland: Unabhängigkeit im Schatten der Sowjetunion
 
Europa: Die Teilung Europas nach 1945
 
Neutralität: Die neutralen Staaten Europas
 

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Fịnn|land, -s: Staat in Nordeuropa.

Universal-Lexikon. 2012.

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